Die Kataraktchirurgie gehört zu den am stärksten standardisierten und effizientesten Eingriffen in der Augenheilkunde. Diese Prozesskonstanz basiert auf vorhersehbaren Instrumenten, sterilen Materialien, kontrollierten Arbeitsabläufen und kurzen Durchlaufzeiten. Gleichzeitig kann dasselbe System einen erheblichen Materialverbrauch verursachen, wenn Einwegsets, Abdecktücher, Kunststoffe, Verpackungen, Medikamente und Einwegkomponenten bei jedem Eingriff erneut verwendet und entsorgt werden.
Da die Kataraktchirurgie in sehr hoher Zahl durchgeführt wird, summieren sich selbst kleine Materialentscheidungen schnell. Bei der praktischen Umsetzung von Nachhaltigkeit geht es daher nicht einfach darum, weniger Materialien zu verwenden. Vielmehr stellt sich die Frage, an welchen Stellen vermeidbarer Abfall reduziert werden kann, ohne die Sterilität, die Zuverlässigkeit der Arbeitsabläufe, die visuellen Ergebnisse oder die berufliche Verantwortung zu beeinträchtigen.
Um zu verstehen, wo dieses Gleichgewicht schwierig wird, hat MDForLives Augenärzte und Kataraktchirurgen in sechs Ländern befragt. Die ausführlichen Ergebnisse finden Sie im MDForLives Insight Report zur nachhaltigen Kataraktchirurgie. Entscheidend ist hier jedoch die Frage, was diese Ergebnisse für Teams bedeuten, die den Materialverbrauch bei einer hohen Zahl von Katarakteingriffen reduzieren und gleichzeitig die Patientensicherheit uneingeschränkt gewährleisten möchten.
Vor dem Eingriff: Hinterfragen, welche Materialien tatsächlich in den OP gelangen müssen
Am häufigsten nannten die befragten Ärzte Einweg-OP-Sets und Abdecktücher als größte Quelle unnötiger Abfälle (35,6 %). Dicht dahinter folgten Einwegprodukte aus Kunststoff mit 31,1 %.
Ein Verständnis der wichtigsten Schritte einer Kataraktoperation kann ebenfalls einen hilfreichen Einblick in die hier beschriebenen klinischen Arbeitsabläufe geben.
Die praktische Erkenntnis ist, dass ein großer Teil des Abfalls bereits vor dem ersten Schnitt durch die Gestaltung der Abläufe entsteht. Standardisierte OP-Sets unterstützen zwar effiziente Prozesse, können jedoch auch Materialien enthalten, die regelmäßig geöffnet und anschließend unbenutzt entsorgt werden. Für Teams in der Kataraktchirurgie beginnt die Abfallreduzierung daher mit der Überprüfung der Materialien, die in den Operationssaal gelangen, und nicht erst mit einer verbesserten Entsorgung nach dem Eingriff.
Wenn die Wiederverwendung in Betracht gezogen wird, ist die Validierung wichtiger als die Absicht
Die Zustimmung zur Wiederverwendung steigt, wenn die klinischen Voraussetzungen eindeutig definiert sind. In der MDForLives-Umfrage befürworteten 47,7 % eine Umstellung auf wiederverwendbare Instrumente und Mehrdosen-Arzneimittel, sofern Sicherheit, Sterilität und visuelle Ergebnisse gleichwertig bleiben. Weitere 38,6 % unterstützten diesen Ansatz ausdrücklich.
Die entscheidende Möglichkeit liegt in einer validierten Wiederverwendung und nicht in der Wiederverwendung um ihrer selbst willen. Produktdesign, Herstellerangaben, Reinigungs- und Sterilisationsverfahren, Standards zur Infektionskontrolle und lokale gesetzliche Vorgaben bestimmen weiterhin, was umgesetzt werden kann. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, verlagert sich die Frage von der Bereitschaft der Ärzte darauf, ob das gesamte Umfeld die Veränderung zuverlässig unterstützen kann.
Diese Überlegungen gelten nicht nur für Katarakteingriffe, sondern auch für andere ophthalmologische Interventionen, einschließlich der Glaukomchirurgie, bei denen die Operationsvorbereitung, Instrumentierung und postoperative Versorgung ebenfalls strukturierte Protokolle erfordern.
Die größere Hürde entsteht, wenn Richtlinien auf die praktische Umsetzung treffen
Auf die Frage nach dem größten Hindernis für nachhaltigere Kataraktprotokolle nannten 33,3 % starre nationale oder institutionelle Vorgaben, die die Verwendung wiederverwendbarer Produkte untersagen. Die Ärzte verwiesen außerdem auf Bedenken hinsichtlich der Infektionskontrolle, wahrgenommene Risiken für die Patientensicherheit, Kosten und eine begrenzte institutionelle Unterstützung.
Damit wird Nachhaltigkeit zu mehr als einer individuellen Entscheidung im klinischen Alltag. Ein Chirurg kann eine abfallärmere Alternative befürworten und dennoch an Herstellervorgaben, Anforderungen an die Sterilgutaufbereitung, Beschaffungsverträge und lokale Vorschriften gebunden sein, die Einwegprodukte bevorzugen. Nachhaltige Praktiken lassen sich erst dann in größerem Umfang etablieren, wenn die abfallärmere Alternative gleichzeitig evidenzbasiert, zulässig und aus fachlicher Sicht vertretbar ist.
Durch die Beschaffung lässt sich bereits vor dem Eingriff ein nachhaltigerer Standard etablieren
Einige Veränderungen erfordern keine Neugestaltung der Operationstechnik. Auf die Frage, welche von der Industrie vorangetriebene Initiative die größte unmittelbare Wirkung erzielen könnte, nannten 34,1 % die Reduzierung von Kunststoffverpackungen und Papierbeilagen. Weitere 29,5 % entschieden sich für schlanke, individuell zusammengestellte OP-Sets, die unnötige Materialien vermeiden.
Beide Maßnahmen reduzieren Abfälle bereits an der Quelle. Ein optimiertes OP-Set erfordert nicht bei jeder Kataraktoperation eine neue Entscheidung, während leichtere Verpackungen den Materialverbrauch reduzieren, bevor die Produkte überhaupt den Operationssaal erreichen. Damit wird die Beschaffung zu einem praktischen Ansatzpunkt für mehr Nachhaltigkeit: Teams können den Inhalt von OP-Sets, Verpackungen, wiederverwendbare Alternativen, Rücknahmesysteme und elektronische Gebrauchsanweisungen, sofern diese zulässig sind, hinsichtlich Kosten, Zuverlässigkeit und klinischer Leistungsfähigkeit bewerten.
Eine moderate Bereitschaft bedeutet, dass die nächste Hürde operativer Natur ist
Interesse führt nicht automatisch zur Umsetzung. In der Umfrage bezeichneten 45,5 % der Befragten ihre primäre chirurgische Einrichtung als moderat vorbereitet, um in den nächsten fünf Jahren umweltbewusste Innovationen in der Augenheilkunde einzuführen.
Für klinische und operative Führungskräfte ist diese mittlere Bereitschaftsstufe durchaus aufschlussreich. Möglicherweise fehlen ein Protokoll für die Sterilgutaufbereitung, Schulungen für das Personal, Flexibilität bei der Beschaffung, die Freigabe durch die Infektionskontrolle, die Verfügbarkeit geeigneter Produkte oder eine klare Zuständigkeitsregelung. Anstatt allgemein zu fragen, ob eine Einrichtung ausreichend „bereit“ ist, können Teams gezielt ermitteln, welche konkrete Voraussetzung einer routinemäßigen Umsetzung evidenzbasierter Veränderungen noch im Weg steht.
Der nächste Schritt ist ein fachlich vertretbarer Weg zur Wiederverwendung
Mit Blick auf die kommenden drei bis fünf Jahre hielten 54,5 % evidenzbasierte internationale Leitlinien für die sichere Wiederverwendung ausgewählter Verbrauchsmaterialien für die vielversprechendste Maßnahme zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks der Kataraktchirurgie. Berufsverbände und Hersteller wurden ebenfalls am häufigsten als führende Akteure genannt. Dies unterstreicht, dass klinische Leitlinien und Produktdesign gemeinsam weiterentwickelt werden müssen.
Abschließende Perspektive: Die abfallärmere Alternative muss leichter zu rechtfertigen sein
Die Ergebnisse deuten nicht darauf hin, dass Augenärzte erst davon überzeugt werden müssen, dass Abfall ein Problem darstellt. Die wichtigere Botschaft ist, dass die Bereitschaft allein nicht ausreicht, um die Abläufe einer Kataraktoperation grundlegend zu verändern.
OP-Sets und Kunststoffe bleiben sichtbare Abfallquellen. Regulatorische Vorgaben können die Wiederverwendung einschränken, und viele Einrichtungen sind bislang nur teilweise auf entsprechende Veränderungen vorbereitet. Die Lücke besteht somit zwischen dem klinischen Anspruch und einem betrieblichen System, das nachhaltige Entscheidungen praktikabel, validiert und wiederholbar macht.
Zu einer umfassenden Kataraktversorgung gehört bei entsprechender klinischer Indikation auch die Behandlung von Erkrankungen wie dem Trockenen Auge (Dry Eye Disease), um die Behandlungsergebnisse für Patienten zu unterstützen.
Für Teams in der Kataraktchirurgie besteht das Ziel nicht darin, Nachhaltigkeit gegen die Patientensicherheit abzuwägen. Vielmehr müssen wissenschaftliche Erkenntnisse, Produktdesign, gesetzliche Vorgaben, Beschaffung, Sterilgutaufbereitung und Infektionskontrolle so aufeinander abgestimmt werden, dass die abfallärmere Alternative dort, wo es angemessen ist, zum validierten Standard werden kann.
Häufig gestellte Fragen
Wo entsteht bei Kataraktoperationen der meiste vermeidbare Abfall?
In der MDForLives-Umfrage unter Ärzten wurden Einweg-OP-Sets und Abdecktücher am häufigsten genannt, dicht gefolgt von Einwegprodukten aus Kunststoff. Eine praktische Möglichkeit besteht darin, zu überprüfen, welche Materialien bei wiederholten Eingriffen regelmäßig geöffnet, verpackt und anschließend entsorgt werden.
Sind wiederverwendbare Instrumente bei Kataraktoperationen sicher?
Wiederverwendbare Instrumente können geeignet sein, wenn sie für die Wiederverwendung konzipiert oder entsprechend validiert wurden und die erforderlichen Standards für Reinigung, Sterilisation, Lagerung und Infektionskontrolle eingehalten werden. Die Herstellerangaben und lokalen gesetzlichen Vorgaben bleiben dabei maßgeblich.
Warum können gesetzliche Vorgaben eine nachhaltige Kataraktchirurgie einschränken?
Die Wiederverwendung unterliegt den Herstellervorgaben, Standards der Sterilgutaufbereitung, Richtlinien zur Infektionskontrolle, institutionellen Regelungen und lokalen gesetzlichen Vorschriften. Eine abfallärmere Alternative kann nur dann zum Standard werden, wenn sie auch klinisch und aus fachlicher Sicht vertretbar ist.
Wie können Teams in der Kataraktchirurgie Abfälle reduzieren, ohne die Operationstechnik zu verändern?
Teams können individuell zusammengestellte OP-Sets auf ungenutzte Materialien überprüfen, unnötige Verpackungen reduzieren, die Abfalltrennung verbessern, sofern zulässig elektronische Gebrauchsanweisungen einsetzen und Nachhaltigkeitskriterien in die Beschaffung integrieren.
Wer sollte die Nachhaltigkeit in der Kataraktchirurgie vorantreiben?
Die Verantwortung für die Umsetzung liegt bei mehreren Beteiligten. Berufsverbände können evidenzbasierte Leitlinien festlegen, Hersteller beeinflussen Produktgestaltung und Verpackungen, während Einrichtungen, Beschaffungsabteilungen, Teams für Infektionskontrolle, Sterilgutaufbereitung, Chirurgen und Pflegekräfte diese Standards in die Praxis umsetzen.


